12.05.2007 Von: Leipziger Volkszeitung

„Wir knacken das Ebay-Monopol“

Ein Leipziger Internet-Auktionshaus investiert Millionen und ist schon auf Platz 2 der Branche

Eine Leipziger Firma will das Monopol des weltgrößten Internet-Auktionshauses Ebay knacken. Das Unternehmen, dessen Zentrale sich im Barfußgäßchen befindet, investiert derzeit monatlich eine Million Euro in das Vorhaben. Die millionenschwere Attacke läuft bereits seit Anfang August und der Kopf, der hinter dem Vorhaben steckt, heißt Thomas Wagner. Er ist 28 Jahre alt, studiert an der Universität Leipzig Betriebswirtschaft und wohnt im Waldstraßenviertel in einer Wohngemeinschaft.„Wir sind schon erfolgreich in andere Geschäftsfelder eingestiegen, in denen es marktbeherrschende Firmen gab“, meint der gebürtige Dessauer.„Wir knacken auch das Ebay-Monopol.“ Wagner hat neben seinem Studium die Firma Unister GmbH aufgebaut, die inzwischen 130 Mitarbeiter zählt. Gemessen am Giganten Ebay ist die Unister GmbH allerdings nur ein winziger Zwerg. Denn der USamerikanische Konzern beschäftigt allein in seiner Berliner Europazentrale rund tausend Mitarbeiter und führt jährlich 14 Millionen Versteigerungen durch. Gestützt auf diese Marktmacht hat Ebay allerdings kräftig an seiner Preisschraube gedreht. „Im Schnitt muss heute jeder Kunde 8,5 Prozent seines Auktionspreises an Ebay zahlen“, hat Unister-Geschäftsführer Wagner ermittelt. „Bei uns zahlt er gar nichts, nicht einmal eine Einstellgebühr. Alles wird komplett werbefinanziert.“ Obwohl diese Geschäftsidee auch anderen kommen könnte, attackiert deutschlandweit niemand Ebay so frontal wie die Leipziger. Denn es sind Millionen erforderlich, um Händler und Kunden für eine Konkurrenz-Plattform zu akquirieren. „Außerdem wird eine ganze Menge personelle Kraft gebraucht“, meint Firmengründer Wagner. „Programmierer, die die Web-Seite pflegen, Call-Center-Mitarbeiter für die Hotline und Leute, die Missbrauch vorbeugen.“ All das hat Wagners Firma Unister. Vor sechs Jahren war das noch anders. Damals gründeten fünf junge Leute im Studenten-Wohnheim an der Straße des 18. Oktober Unister, um eine Web- Seite für Studenten zu betreiben, auf der Plätze in Wohngemeinschaften vermittelt wurden oder Praktika getauscht werden konnten. Das dafür notwendige Startkapital von rund 40 000 Euro legten die Gründer aus Erspartem zusammen - und expandierten anschließend kräftig. Nach der Studenten- wurde eine Finanzseite im Netz etabliert und gleichzeitig Internet-Werbung für Versicherungsdienstleister und Online-Reisebüros organisiert. „Dabei haben wir gemerkt, dass wir diese beiden Märkte eigentlich auch selber abdecken können“, erzählt Wagner. Die Unister GmbH entwickelte deshalb eigene Internet-Portale für die Vermittlung von Versicherungen und für ein Online-Reisebüro. Inzwischen haben die Leipziger im Reisebereich genauso viele Nutzer wie der Marktführer Expedia, und im Finanzbereich zählen sie zu den größten Online-Versicherungsmaklern. Im lukrativen Geschäft mit Preisvergleichen hat Unister mit der Seite „Preisvergleich.de“ sogar die Marktführer „Ciao.de“, „Billiger.de“ und „Yahoo-Shopping“ abgehängt. „Unabhängige Marktforscher haben Ende vergangenen Jahres ermittelt, dass wir in diesem Segment die Nummer eins sind“, sagt Pressesprecherin Anja Kazda. Das Geld, das die Internet-Aktivitäten einbringen, fließt hauptsächlich in die Expansion. „Wir sind nicht fremdfinanziert“, sagt Wagner. „Die Million, die wir jetzt monatlich für unsere Online-Auktionen investieren, bringen wir aus unseren laufenden Einnahmen auf.“ Der Aufwand zeigt Wirkung. Vor allem Händler, deren Margen so gering sind, dass sie die Ebay-Gebühren nicht mehr verkraften können, wechseln in Scharen auf die Internet-Seite „Auvito.de“, mit der Unister gegen Ebay antritt. „Au steht für Auktion und vito für vital, also für lebendig und schnell“, erklärt Sprecherin Kazda den Namen. Auf dieser Internet-Seite sind bereits rund650 000 Auktionen online, allein in den vergangenen vier Monaten kamen über 400 000 neue Angebote hinzu. Die Zahlen der Marktforscher von Nielsen NetRatings zeigen, dass die Leipziger die Nummer 2 unter den deutschen Online-Auktionshäusern sind– nach Ebay. Im ersten Quartal diesen Jahres klickten sich 4,4 Millionen Besucher bei Auvito. de ein – bei Marktführer Ebay waren es allerdings 26,39 Millionen.„Das liegt daran, dass sie in so vielen Ländern aktiv sind“, sagt Unister-Chef Wagner. „Aber sobald wir den deutschen Markt haben, expandieren wir dort auch.“

Andreas Tappert


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